Warum vegan? Verzicht auf tierliche Nahrungsmittel?

Geht das überhaupt? Bekommt man dadurch nicht Mangelerscheinungen? Warum sollte man sich überhaupt vegetarisch oder vegan ernähren? Das schmeckt doch gar nicht, so ohne Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte! Da geht ja jeder Genuß verloren!

So habe ich lange Zeit auch gedacht. Als ich mehr über die Bedingungen in der Massentierhaltung las, habe ich mich damit beruhigt, dass ich ja schließlich Bioprodukte kaufe und damit auf der sicheren Seite bin.

Dann fing ich an – angestoßen durch Karen Duwes Buch ‚Anständig essen‘ – auch die weiteren Aspekte der Produktion tierlicher Nahrungsmittel zu betrachten. Was hat meine Latte Macchiato oder mein Steak, mein Stück Käse mit den Hungernden der Welt oder mit der Klimaerwärmung zu tun? Ich musste feststellen: sehr viel.

Die industrielle Fleisch- und Milchproduktion verursacht inzwischen lt. FAO Studie etwa ein Fünftel der weltweiten Treibhausgase und damit mehr als der gesamte Verkehr. Siehe auch diesen WWF Bericht. Da die Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen eher vorsichtige Schätzungen beinhaltet ist ggfs. von einem noch höheren Wert auszugehen.

Große Teile der weltweiten Getreideproduktion werden an ‚Nutztiere‘ verfüttert. FAO und das Worldwatch Institute geben hier weltweit 35% und für die Industrienationen 75% an. 80% der weltweit landwirtschaftlich genutzten Flächen werden durch die Viehzucht beansprucht, dabei stellen tierische Nahrungsmittel lediglich ca. 17% der weltweiten Ernährung.

Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch sind ca. 15.000 Liter Wasser und 10-15 kg Getreide notwendig. Wie sicht diese hohen Zahlen ergeben siehe ebenfalls vorgenannter Bericht des WWF.

Zusammengefasst werden durch den ‚Veredelungsprozess‘ der industriellen Fleischproduktion große Landflächen belegt, große Mengen Treibhausgase und Äquivalente verursacht, große Mengen an Getreide eingesetzt, Tiere in unzumutbarer Form gehalten um balststoffreiche, fettarme, cholesterinfreie und nährstoffreiche Nahrungsmittel an die Tiere zu verfüttern um damit eher ungesundes, fett- und cholesterinhaltiges Fleisch zu erzeugen. Klingt bizarr.

Mein Ausgangspunkt war die Massentierhaltung. Je mehr ich dazu gelesen habe, desto trauriger wurde ich. Wie können wir als mitfühlende Menschen einem anderen Lebewesen nur so etwas antun. Die Fleischproduktion müsste uns als Gesellschaft beschämen und empören.

Das tut sie aber offensichtlich nicht. Jeder von uns hat bereits Berichte über Tiertransporte, enge Ställe oder Käfighaltung gesehen. Ich glaube allerdings, das ganze Grauen ist dem Verbraucher nicht bewusst. Betäubungslose Verstümmelungen etwa bei Schweinen das Entfernen der Hoden, das Abknipsen der Schwänze und das Abschleifen der Zähne, bei Geflügel das Kürzen der Schnäbel, Verätzungen der Lungen durch das Leben auf den eigenen Fäkalien oder ein überwiegendes Leben in körpergroßen Käfigen (Kastenstandshaltung bei Sauen) – die Liste könnte noch weiter fortgesetzt werden – das alles sind keine Ausnahmen – es ist überwiegend die Regel in der industriellen Fleischproduktion.

Die Lobby der Fleisch- und Milchproduzierenden Industrie tut einiges dafür, das Bild vom gesunden Lebensmittel Milch, Fleisch und Ei, produziert auf grünen Wiesen und Bauerhöfen, was wir alle in uns haben, aufrecht zu erhalten. Leider findet das durch zunehmenden Preis- und Leistungsdruck nicht einmehr mehr in der ökologischen Landwirtschaft statt.

Die Eingangsfrage beantwortet sich für mich nun von selbst. Ich möchte nicht mehr länger für all diese Umstände mitverantwortlich sein. Ich ernähre mich vegan. Es ist überraschend einfach. Siehe auch weitere Artikel, Informationen und Rezepte auf meinem Blog ‚Go Veggie – Go green‘.

Diese Entscheidung wird in die Liste der ‚guten Lebens-Entscheidungen‘ aufgenommen. Welchen Platz sie dort einnimmt, muss ich noch entscheiden 🙂

Andrea Spang
Köln, Januar 2012

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