Leseraufruf der ZEIT 'Veganismus – Ethik oder Dogma?'

Ich beteilige mich mit diesem Beitrag am Leseraufruf der ZEIT.  Vom 28.10.-02.11. werden LeserInnen darin aufgerufen, ihre subjektive Meinung und Erfahrungen zu folgenden Punkten zu schreiben:

Beweggründe: Warum haben Sie sich für eine vegane Lebensführung entschieden? Wie hat dies Ihr Leben verändert? Haben Sie das Gefühl, ein besserer Mensch geworden zu sein? Oder haben Sie sich inzwischen wieder vom Veganismus abgewandt? Aus welchen Gründen?

Soziales: Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihre Entscheidung, vegan zu leben? Ist die soziale Akzeptanz in städtischen Umfeldern größer als in ländlichen? Wie funktioniert das, wenn in einer Partnerschaft nur einer vegan lebt?

Praktisches: Wie leicht oder schwer fällt es Ihnen, vegan zu leben? Wie ist die vegane Infrastruktur (Supermärkte, Restaurants) in Ihrer Nähe? Welche Produkte mögen Sie besonders, welche fehlen Ihnen?

Meine Beweggründe:

Ich habe schon immer viel Sport getrieben und mich gesund und vollwertig ernährt, allerdings mit Fleisch und Milchprodukten. Mit dem Kauf von Bioprodukten fühlte ich mich aus Umweltgründen und ethischer Sicht „auf der sicheren Seite“. Denn Massentierhaltung, und die Tierqual, die damit einher geht, wollte ich mit meinem Konsum nicht unterstützen.  Dann habe ich vor 2 Jahren das Buch „Anständig essen“ von Karen Duve gelesen. Das  Buch war der Auslöser, mich näher mit der Erzeugung tierlicher Produkte, auch aus Biohaltung zu beschäftigen. Außerdem wurde mir erst da wirklich bewusst, in welchem Ausmaß die Fleisch- und Milchproduktion weltweit Auswirkungen auf Welthunger, Klima, Wasser, Landverbrauch und Ressourcen hat. Zu dieser Frage hier mein Beitrag auf der ‚Social Media Week‘ 2013 in Berlin.

Mein initialer Beweggrund für die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung waren trotzdem die grausamen Umstände in der heutigen Massentierhaltung. Massentierhaltung ist, wenn Tiere an ein Haltungssystem angepasst werden und nicht das Haltungssystem an die Tiere. Auf diese Weise werden meist nicht einmal die grundlegendsten Bedürfnisse der Tiere befriedigt. Es wird betäubungslos kastriert, Schnabelspitzen werden entfernt, Hornansätze ausgebrannt, Schwänze abgezwackt, Tiere in körpergroßen Käfigen mehr oder weniger fixiert. Das ist z.B. „notwendig“, weil sich die Tiere sonst unter den engen Platzverhältnissen gegenseitig verletzen.

Kann es uns als Gesellschaft nicht eigentlich nur empören und beschämen, dass für unseren billigen Konsum, solch eine Qual zu verursachen? Ich wollte dies alles nicht mehr durch meinen Konsum unterstützen.

Veganismus ist für mich nicht nur Ernährung, sondern eine neue Lebenseinstellung. Sie ist außerdem eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Ich bin davon überzeugt, dass sich an unserem Ernährungsverhalten grundlegend etwas ändern muss, damit wir unsere Umwelt nicht gänzlich zerstören. Ein notwendiger Schritt ist daher die deutliche Reduzierung von Fleisch- und Milchprodukten.

Soziales:

Mein soziales Umfeld hat unterschiedlich reagiert. Meine Eltern wussten erst gar nicht, was vegan eigentlich bedeutet. Meine Kinder waren „amüsiert“ überrascht, mein Mann hat mich gleich verstanden und einfach mitgemacht. Meine Kinder (15, 17) essen Fleisch und müssen diese Entscheidung selbst treffen. Das ist in der Familie nicht ganz unproblematisch. Wir haben mittlerweile den Kompromiss, dass ich ca. 1-2 x pro Woche Fleisch für sie kaufe.

Meinen Kollegen war ich zu Beginn etwas nervig mit meinen neuen Erkenntnissen und meinem Drang, sie zu überzeugen. Mittlerweile haben einige von Ihnen aber selbst ihren Fleischkonsum reduziert und wir haben einen Veggietag in unserer Betriebskantine eingeführt.

Es gibt aber auch Freunde, die einfach sagen „so ein Quatsch, was soll das denn?“. Auf der anderen Seite habe ich neue FreundInnen aus dem neuen veganen Umfeld kennen gelernt.

Die Akzeptanz und die Verfügbarkeit von veganen Läden ist in Großstädten ganz eindeutig besser als auf dem Land. Hier gibt es ganz unzweifelhaft zur Zeit noch ein riesiges Gefälle.

Praktisches: 

Ich hätte nie gedacht, wie einfach es ist, sich pflanzlich zu ernähren (zumindest zu Hause 🙂 ).  Ich habe zu Beginn das ‚30-Tage Abo‚ von peta und das VeggieAbo von VEBU genutzt und damit viele hilfreiche Informationen erhalten. Womit kann ich Milch, Butter und Eier ersetzen? Welche Produkte kann ich als Fleischersatz verwenden? In welchen Lebensmitteln sind versteckte, tierische Inhaltsstoffe enthalten, die nicht deklariert werden müssen? Wie decke ich meinen Proteinbedarf und was muss ich sonst noch bei der Versorgung mit Nährstoffen beachten?

Zeitgleich habe ich im Januar 2012 meinen Blog „Go Veggie Go Green“ zur Sammlung meiner Rezepte gestartet und twittere zum Thema #Ernährungsethik unter @Yelliorange. Weil ich den Drang hatte, meine neuen Erkenntnisse zu teilen, habe ich verschiedene Aktivitäten gestartet, die auf meinem Blog beschrieben sind.

Einladungen bei Freunden stellen die größte Herausforderung dar. Hier habe ich mittlerweile gelernt, vorher mit den Gastgebern zu reden, damit keine unangenehmen Situationen auftreten. Ich bringe etwas veganes mit, wenn es gewünscht wird. Oft probieren omnivore Freunde jedoch auch schon vegane Gerichte aus. Das freut mich besonders.

Hinweis: der Artikel musste etwas gekürzt werden, weil nur 3.000 Zeichen erlaubt sind

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